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Von Monika Klein
Zum fünften Mal findet im kommenden Jahr das Forum Ost-West statt. Die Initiative des Rheinisch-Bergischen Kreises, die alle zwei Jahre einen deutsch-polnischen Künstleraustausch realisiert, feiert dann Zehnjähriges. Bei diesem kleinen Jubiläum wird es in Leichlingen eine Premiere geben. Auch in den Vorjahren war die Blütenstadt einer der Austragungsorte, es fand zum Beispiel immer ein Jazz-Workshop statt. Bisher waren es fertige Musiker, die als Dozenten oder Interpreten eingeladen waren. Anders im Herbst 2002. Dann werden erstmals polnische Kinder in Leichlingen zu Gast sein, die zusammen mit hiesigen Musikschülern an einem Orchester-Workshop teilnehmen. So wie es mit der englischen Partnerstadt Henley schon längst läuft.
Musikschulleiter Andreas Genschel hofft, auf diesem Wege mehr für eine Normalisierung der deutsch-polnischen Beziehungen tun zu können. Das sind immerhin unsere nächsten europäischen Nachbarn, sagt er. Trotzdem wisse man hier wenig über die Verhältnisse in Polen. Er selbst sei sehr beeindruckt gewesen bei seinem Besuch im Kreis Katowice, wo er vor drei Wochen die Fäden für die Orchesterbegegnung festzurrte. Es ist einfach unglaublich, was da läuft, das ist in jeder Beziehung eine Kulturhochburg war sein Eindruck von der 120 000-Seelen-Stadt Tychy, in der er die geeignete Partnerschule fand. Den Kontakt hat eine Kollegin, die selbst aus Polen stammt, geknüpft. Eine Schule gleichen Zuschnitts ließ sich in Polen nicht finden, denn dort ist das System anders strukturiert. Es handelt sich um eine Grundschule - die dauert dort sechs Schuljahre - mit einem angegliederten Musikschulzweig. Zusätzlich erhalten nachmittags auch ältere Schüler musikalische und instrumentale Ausbildung.
Als die polnische Schulleiterin Janina Konieczny im August zur ersten
Kontaktaufnahme in Deutschland war, einigte sie sich mit ihrem Leichlinger
Kollegen darauf, die beiden Orchester zusammen zu führen. In
Tychy zählt es 45 Mitglieder, etwa im Alter zwischen zehn und
16 Jahren. Genschel geht davon aus, dass alle an der Reise teilnehmen
können. Jedenfalls dürfte es kaum finanzielle Hürden
geben, denn für deutsch-polnische Schülerbegegnungen ließen
sich verschiedene Zuschusstöpfe anzapfen.
Nachgedacht hat er auch schon darüber, wie die Sprachbarrieren zu überwinden sind. Die Kinder lernen in der Schule Deutsch, so Genschel, aber zumindest bei den Jüngeren dürften die Sprachkenntnisse noch bescheiden sein. Die meiste Zeit werden die Gäste, die vom 26. September bis 01. Oktober 2002 da sein werden, im Workshop verbringen. Beim Musikmachen dürften die wenigsten Verständigungsprobleme auftreten, außerdem seien polnisch-stämmige Kollegen als Dolmetscher dabei. Und für Schwierigkeiten in den Familien will Genscher eine Art sprachlichen Notdienst per Handy einrichten.
Rheinische Post, 20.Oktober 2001.
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