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von Sigrid Schulz

Bergisch Gladbach. Wer einen völlig geschafften Helmut Kohl im Wochenbett sehen will, sollte die Ausstellung "Nachbarn" von deutschen und polnischen Karikaturisten im Kreishaus genießen.
Eine Schwester trägt da statt einem Säugling einen Greis mit dem Namen "Oder- Neisse-Anerkennung" auf dem Arm aus dem Kreissaal. Zeichner Horst Haitzinger schreibt dazu:" Also,`ne Frühgeburt war es nicht." Auch den Gladbacher Walter Hanel hat dieses Thema nicht kaltgelassen. In seinem Werk wird der sich sträubende Kohl von einer riesigen Menschenmenge auf dem Weg zur Anerkennung geschoben. Landrat Norbert Mörs begrüßte zur Ausstellungseröffnung und Feier von 10 Jahren Forum Ost & West die Gäste im überfüllten Kreishaussaal.
Die Generalkonsulin der Republik Polen, Elzbieta Sobótka, erklärte: "Wir sind näher als sie denken" und sie meinte damit nicht nur die geografische sondern besonders die menschliche Nähe. "Aufeinander zukommen" sei ein Ergebnis vom Forum Ost & West, ohne dass es im Programmheft stehe.
Der Warschauer Publizist Adam Krzeminski fand in seiner Festrede, er brauche hier niemanden zu "bauchpinseln" und halte seine Laudatio mit Freude, "gefeiert wird die Leistung, nicht die Person".
Dabei nahm er aber Kreiskulturchefin Susanne Bonenkamp wegen der umfangreichen, geleisteten Arbeit aus. Gisela Burkamp, Mitherausgeberin und -autorin des Kataloges "Nachbarn" gab eine Einführung in die Ausstellung. Unter den zahlreichen ausstellenden Künstlern ist nur eine Frau, hier entspricht das Ost-West-Verhältnis schon ganz der Normalität. Zum Thema "Frauen" zeigt der Cartoonist Erik Liebermann "die letzte Polin vor der Grenze", die im Minirock an der Straße steht. Dagegen versucht bei Barbara Henninger eine Frau mit einem polnischen Hütehund über die Grenze zu kommen. Was den Beamten vom Bundesgrenzschutz interessiert: " Soso, hat er eine Arbeitserlaubnis?" Auf der nächsten Zeichnung unterhält sich ein Paar: "Ich frage mich, wo dieser Schoppäng seine Melodien her hat." - "Wer weiß, die Polen klauen doch alle."
Daher wird das Besteck für den Polen bei Thomas Plassmann auch angekettet. Heftig auch die sechsteilige Zeichnung von Robert Szecowka. Da heißt es 1970 "Herzlich willkommen" am Zug Istanbul-Berlin. Daneben eine Wandschmiererei "Türken raus". Wieder freundliche Begrüßung 1981 für die Solidarnosc und wieder eine Wandschmiererei "Pollacken raus". Willkommen sind auch die Menschen 1989 am Brandenburger Tor. Der sechste Teil wurde leer gelassen, den kann sich jeder denken.
Besonders "bezeichnend" die "Zeitzonen" von Lex Drewinski: In Warschau zeigt die Uhr fünf vor 12, in Berlin fünf nach 12.

Bergische Landeszeitung, 17.09.2002




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