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Zur Eröffnung des Forums Ost & West präsentierte sich die Musicalische Academie in bewundernswerter Spiellaune.
Von Katja Nienhaus
Burscheid. Ein Konzert von "sehr hoher Qualität" (Bürgermeister Kahrl) war das Eröffnungskonzert des Forum Ost & West und ein interessantes dazu. Den ersten Teil des Konzertes bestritten die Streicher. Mit einer resoluten Interpretation des Concerto Polonois von Georg Philipp Telemann begann das Orchester und stellte anschließend den durch seine expressive Musik bekannten zeitgenössischen polnischen Komponisten Krzystzof Penderecki mit einer Komposition vor, die auf alles Avantgardistische verzichtete.
Die als Musik zu dem Film "Die Handschrift von Saragossa" geschriebenen "Drei Stücke im alten Stil für Streicher" gaben der Academie Gelegenheit, ihr homogenes Zusammenspiel in schön abgestufter Dynamik (vor allem im Menuetto II) unter Beweis zu stellen. Wie sehr Wolfgang Georg, seit 1996 musikalischer Leiter der Musicalischen Academie, seine Amateurmusiker zu motivieren und zu formen versteht, zeigte die hinreißende Interpretation der Suite "Colas Breugnon" für Flöte und Streicher des polnischen Komponisten Tadeusz Baird (1926-1981). Vor allem der 3. Satz "chant triste" mit seiner stillen Trauer wurde durch das Ausmusizieren der milden Dissonanzen zum Erlebnis. Als Solistin formte Orchestermitglied Melanie Eicker mit schönem Ton ihre Kantilenen.
Höhepunkt war die Aufführung des Klavierkonzertes Nr. 2, f -moll, von Frédéric Chopin, zu der die Academie und der Rheinisch-Bergische Kreis als Mitveranstalter die mehrfach preisgekrönte junge polnische Pianistin Elzbieta Kalvelage gewinnen konnten. Das nun durch die hauseigenen Bläser aufgestockte Orchester gab unter der exakten und intuitiven Stabführung Georgs eine Meisterleistung: Wie die Musiker auf die Interpretation der Pianistin, auf die vielen chopingerechten Verzögerungen und Temposchwankungen eingingen, das war bewundernswert.
Elzbieta Kalvelage faszinierte bereits vom ersten Klavierton an durch ihr ebenso spritziges und virtuoses wie gefühlvolles Spiel, das den Melodienbögen mit hoher Einfühlungsstärke folgte und in den halsbrecherischen Läufen nie das musikalische Element aus den Augen bzw. den Händen verlor. Im 1. Satz, "Maestoso", dominierte das Zupackende, im ruhig dahin fließenden Larghetto das durch den Gebrauch des Pedals noch unterstützte Gesangliche. Im Allegro vivace überzeugten Solistin und Orchester gleichermaßen durch kraftvolles Spiel. Nicht enden wollender Beifall und Bravo-Rufe galten der Solistin und dem Orchester. Eine Zugabe konnten sich die Zuhörer allerdings nicht erklatschen. Forum der Völker. Kahrl: "Musik überwindet Sprachbarrieren"
Burscheid (K.N.). "Musik und Kunst überwinden Sprachbarrieren und das Forum Ost & West bedeutet Verständigung der Völker." Bürgermeister Hans Dieter Kahrl begrüßte zum Eröffnungskonzert des Forum Ost & West alle stellvertretenden Landräte(innen) des Rheinisch-Bergischen Kreises und über 200 Zuhörer, die sich im Haus der Kunst eingefunden hatten, um im weitesten Sinne polnische Musik zu hören. In den vergangenen Jahren seien in Burscheid bereits hochinteressante Veranstaltungen in dieser Reihe durchgeführt worden, sagte Kahrl. In diesem Jahr gebe es noch einen besonderen Anlass: Die Musicalische Academie feiert ihren 190. Geburtstag. Obwohl die offiziellen Ferien erst im November stattfinden, sprach er schon jetzt einen herzlichen Glückwunsch aus: "Musicalische Academie bedeutet immer Konzerte von sehr hoher Qualität."
Bergischer Volksbote, 17.09.2002
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